"Ginat" - Droites Nordwand (4000m) - Chamonix

Einer der faszinierendsten Ecken der chamonixer Berge ist ohne Zweifel des Gletscherbecken um die Argentiere Hütte. Gegen Süden und Osten ragen 1000m hohe Flanken aus Fels und Eis. Im Norden bieten nur weite Gletscherzungen Möglichkeit zwischen den hohen rot/gold/braunen Granitzacken Richtung walliser Alpen auf der berühmten Durchquerung "Haute Route" zu entkommen. Wir wollen aber gar nicht entkommen, wir wollen die Wildheit dieses Ortes aufsaugen und spannende 2 Tage erleben. Wir, dass sind Stefan Lieb (www.flugmeter.info) und meine Wenigkeit, Stef.
Unser Ziel ist es, noch das letzte verbliebene Eis zu nutzen, bevor man sich dieses Jahr vollkommen dem Felsklettern zu wendet. Da es dieses Jahr ungewöhnlich lange kalt war, konnten wir dies sogar mit einem sehr großen Ziel tun, der Ginat Route in der Droites Nordwand. Eine über 1000m lange Eiskletterei mit 3-4 kombinierten Seillängen. Da die Gesamtsteilheit der Wand so hoch ist, war sie über lange Zeit eine der berüchtigsten Eistouren um Chamonix. Ohne frage ist sie durch die neue Eisausrüstung für eine deutlich breitere Masse zugänglich, aber zählt immer noch zu den ganz großen Fahrten im Argentiere Kessel.

Da wir schon so spät im Jahr dran waren, ist das Skigebiet an der Grands Montets nicht mehr in Betrieb was uns einen ehrlichen Zustieg von Argentiere aus bescherte. Man kann so aber vor allem die Szenerie richtig genießen.



Als wir nach einer gefühlten Unendlichkeit an der Hütte ankommen, ist schon so allerhand los. Viele Ski stehen herum, das ist wohl die Zeit an denen die furchtlosen Bretteljäger von Chamonix durch die schmalen Couloirs donnern, als gäbe es kein Morgen. Ich persönlich finde ja hinaufzuklettern entspannender. Abends sieht man von der Hütte die Nordwand der Droites sehr gut ein. Die Verhältnisse scheinen tatsächlich hervorragend zu sein, kurz sind wir der Hoffnung sogar die Jackson Variante klettern zu können, das müssen wir am nächsten Tag aber korrigieren, da sie uns bereits durch das Eisfeld entgegen geflogen kam.



Nun gut eine recht kurze Nacht, in einem Winterraum der den Charme einer Industriehalle hat, und es geht los.
Es war nachts leider nicht ganz so kalt, deshalb war der Wandzustieg etwas mühsam. Wenn es was schlimmeres gibt als mit beiden Beinen durch den Harschdeckel zu brechen, dann ist es, nach jedem 2-5 Schritt mit nur einem Bein. Da kommt kein Rhythmus zammt. Mit dem ersten Dämmerlicht sind wir am Schrund. Dieser ist erstaunlich weit rechts, noch erstaunlicher sehr leicht zu überqueren. So, nun wird erst mal gestapft bis in die versteckte Rinne welche als Messner Einstieg bekannt ist. Hier in bestem Eis kurz seilfrei hoch. Max. 70°, langsam wird's sonnig.



Ja, sonnig ist ein gutes Stichwort, die Steilheit der Wand lässt in der nähe des höchsten Sonnenstandes nicht viel Schattenplätze zu. Wir sind durchaus erstaunt, so warm geht es in unseren Nordwänden normal nicht zu. Was wir zuerst sehr wohlwollend zur Kenntnis nehmen, wird weiter oben echt lästig, durch die Sonne ist unser Trinkkonsum deutlich höher, was ganz schön trockene Fressen gibt, auf die Dauer.



Aber wieder zurück zur Tour, wir sind mittlerweile am Ende des großen Einstiegeisfeldes folgen nun dem steilen Couloir bis an die Breché. Da das Eis dünn ist und auch immer wieder Eisbrocken von oben kommen, legen wir nun auch ein Seil an. Das Eis ist perfekt und die Kletterei ansprechend steil aber fast immer genüsslich. Man darf sich aber nicht irren, es gibt genug 80°-85° Aufschwünge in der Tour.





Immer wieder trifft man auch auf kombinierte Länge wie diese blockige Rampe hier, gar nicht so leicht wie es zuerst ausschaut.



Dafür wird man danach mit steilem Eis belohnt, wenn auch die Absicherung mit hohl gelaufenen 13cm Eisschrauben nicht perfekt ist. Dafür treffen die Eisgeräte immer wieder Fels, pling pling....Muhahaha.



Schon ist die Scharte in Rufweite kommt eine weitere Kombistelle, diesmal noch etwas schwerer, aber gut ab zu sichern. Mittlerweile sind wir etwas langsamer, Durst und dicke Wadel quälen uns.



Dennoch genießen wir so gut es geht die tollen Seillängen. Überhaupt ist die Tour eine Perle unter den Eistouren.





Ein letzter Aufschwung ist zu meistern, dann kommen wir ins Abschlussschneefeld. Das Eis ist mal wieder dünn, aber diesmal auch stark hinterspühlt. Die Entscheidung fällt auf die Felsvariante, gute Wahl.



Bald sind wir nun an der Breché. Eine grandiose Umsicht. Wir hätten noch viel Zeit an die Couvercle Hütte zu kommen, aber in der Südwand steht schon seit 6-7 Std. die Sonne, wir haben keine Lust zuerst Steine auf den Schädel zu bekommen und dann im Schnee bis zu den Knie zu versinken. So schlafen wir an einem tollen Biwakplatz über der Abseilstelle und beginnen den Abstieg in der morgendlichen Kälte. Das verhalf uns zu einem grandiosen Sonnenaufgang und sehr guten Verhältnissen zum gehen bis runter an den Leschaux Gletscher.







Die letzte Anstrengung ist dann hoch an die Montenvers-Zahnradbahn, ist das geschafft, gibts nur noch ein Ziel....Bier und Burger in Chamonix.

Zusammenfassend, einer meiner schönsten Eistouren in einer tollen Ecken der chamonixer Alpen. Blöd nur, dass wir evtl. die letzten dieses Jahr waren, da viele Stellen nun doch sehr dünn im Eis waren. Und die Sonne immer erbarmungsloser stahlt bis zum 21. Juni.

Facts:
Droites Nordwand "Ginat" mit Messnereinstieg
EB: J. Ginat, G. Modica, J.P. Simond und J.M. Troussier am 24. Juli 1978
Wandhöhe: 1050 m
Vorwiegend Eis bis 85° (auch längere Passagen) Mixed M4 - M4+
Ausrüstung:
Eisausrüstung mit min. 3 kurze Schrauben (13cm)
50m Doppelseil (Abseilen an der Breché)
kleine Biwakausrüstung

Rückzüge sind sicher Material aufwändig, da wenig fixes Material in der Tour.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen