3 Tage Oberreintal (27-30.09.)

...3 Tage Freispitze. Wäre doch super. Nach einem kurzen Telefonat mit Stef stand unser Herbstziel fest. Doch nachdem ein Marder den Yeti (Marder tötet Yeti - wie geil) von Stef, und der TÜV mein Auto lahm gelegt hatten, mußte ein Ersatzziel her. Das legendäre Oberreintal mit der urgemütlichen Hütte ist von Mittenwald schnell und auch ohne Auto zu erreichen.
Nach gut 3 stündigem Fahrrad- und Fußzustieg betreten wir das Tor zu einer anderen Welt.



Schnell die Sachen auf der Hütte deponieren und ab an den Fels. Kurz vor 15h stehen wir am Einstieg der Sonntagsarbeit.
Traumhafte Kletterei, vom ersten bis zum letzten Meter.








Die Absicherung ist gut, trotzdem schadet der ein oder andere Keil und Camalot nicht.
In der vorletzten Seillänge wartet dann das große Finale. Eine von steilen Wasserrinnen durchzogene Platte, die mir einiges an Vorstiegsmoral abverlangt.





Als wir um kurz vor 20h wieder auf der Hütte sind, steht das Essen schon auf dem Tisch. Das gute Bier (und der Whisky) sorgen für einen gemütlichen Ausklang des Tages.

Für den Mittwoch suchen wir uns eine Tour in der Sonne. Der Heinrich-Pfanzelt-Gedächtnis-Weg führt auf den unteren Berggeistturm. Die ersten 3 Seilängen laufen gemeinsam mit der U-Bahn, die man nach der Haltestelle U3 dann verläßt.



Die 2 schweren Seillängen lauern danach. Die erste trifft mich. In der schweren 8- Passage habe ich keinen Auftrag und nulle mich durch (was ohne Probleme geht). Danach folgt steile Ausdauerkletterei, die in eine Sackgasse mündet. Ich entscheide mich, anstatt des (leicht brüchigen) Risses auf der linken Seite für die kompakte Platte. Ein gutes Stück über dem Haken bemerke ich, dass ich falsch bin. Abklettern geht nicht, springen auch nicht. Ahh, 2 Löcher. Schlechten Keil und (noch schlechteren) Camalot rein und hoffen, dass es zum Bohrhaken nach unten reicht. Der Keil kommt sofort und der Camalot drunter mit Verzögerung. Zitternd finde ich mich 4 Meter weiter unten auf einer geneigten Platte wieder. Systemcheck - alles noch dran und drin.

Stef klettert das Teil dann (mit kurzer Hakenhilfe) ohne Probleme.



Nachdem der Sturz meine Vorsteigsmoral -> 0 gehen läßt, muß Stef auch in der 2ten 8 ran.



Die Crux besteht aus einem weiten Zug von einer guten Untergriffschuppe weg und ist zwingend zu klettern. Echt schwer...

Oben dann wieder ein toller Tiefblick



und 2 lässig, coole Typen beim Abseilen über die Südschlucht.



Eine Tour für den letzten Tag ist dann auch schnell gefunden. Die Oi's Tschikago (8-, 320m) am legendären unteren Schüsselkarturm. Robert Heiland und Stephan Reindl haben hier 1994 eine der besten Touren hinterlassen, die ich (und viele andere wahr. auch) je geklettert bin.



Die erste Seillänge ist noch feucht und kalt.



Haken müßen engagiert an- und überklettert werden. Im Nachstieg wird mir erst klar, was mein Vorsteiger hier geleistet hat (@Stef: Merci dir!!!).
Er führt Seillänge um Seillänge, eine besser als die andere. Phantastische Kletterei in bestem Wettersteinkalk.







Von unten ist schon klar, dass die Schlüssellänge rechts aus der Gufel nass sein wird. Unter Zuhilfenahme der Haken geht unsere vertikale Reise weiter.





Mit diesem Highlight gehen 3 tolle Tage im Oberreintal zu Ende. Wir kommen nächstes Jahr garantiert wieder.

Grüße,

Stef und Frank

Facts
Oberreintalturm - Westwand: Sonntagsarbeit (7-, 300m)
Unterer Berggeistturm: Heinrich-Pfanzelt-Gedächtnis-Weg (8 oder 7/A0, 250m)
Unterer Schüsselkarturm: Oi's Tschikago (8-, 320m)
Wetterstein

Material
60m Halbseil
12 Exen
Mittlere Keile
Camalot 0,4-2

Führer
Kletterführer Wetterstein Nord

Via Anita

So, jetzt wars wieder soweit. Das Häusle ist soweit fertig, so das wir uns auch mal wieder bissl Zeit nehmen können für Alpine Touren.
Da die Wettervorhersage bestens gemeldet war und wir noch etwas Sonnenbedarf hatten, ging es nicht wie erst gedacht in eine Nordwand sondern ab in die Südwand des Hochwieslers.
Der Zustieg von Nesselwängle zum Gimpelhaus und dann weiter war für Andrea eine Premiere, für mich ein sehr vertrauter schöner Weg.

Die Via Anita ist eine Genussroute im 5. Grad. Gute Griffe, rauer Fels und bestes Wetter.

In der 4ten Sl gibts extra schöne Klettermeter.

Zum eben mal schnell rein hüpfen zu weit weg, der Haldensee.

In der 7ten Sl wirds nochmal richtig steil und luftig.

Geschafft, Andrea kommt am letzten Stand an.

Oben am Gipfel des Hochwieslers lockt der Gimpel mit seiner bis zu 300Meter hohen Südwand.


Uns reicht für heute das erreichte Ziel und wir genießen die perfekte Sicht.


Nun geht es an ein weiteres highlight am Hochwiesler. Die Abseilpiste.
Luftiger gehts fast nicht mehr... .

Wer kennt es nicht?! "Bist an Kaiser, trinkst a Kaiser"

Und da wir die Schneiders sind gabs gleich noch an genial leckeren Marillenschnaps vom Wirt des Gimpelhaus. Dieser beflügelte uns und wir schwebten förmlich ins Tal.


Wir sagen dem Team vom Gimpelhaus vielen Dank und wünschen uns ein baldiges Wiedersehen.

Grüße Andrea & Axel


Topos zur Tour findet man in dem Allgäuführer von Panico.

Allgäu - Krottenspitzengrat (IV-, 1100m)

Der Krottenspitzengrat ist mit 1,1 km die längste Gratkletterei im Allgäu. Er führt vom Fürschießer-Sattel in 28 SL über den Westnordwestgrat auf die Krottenspitze (2553 m).
Los geht es für Bernhard und mich um kurz nach 6 h. Mit den Rädern fahren wir nach Spielmannsau und von dort zu Fuß über die Kemptner Hütte hinauf zum Fürschießer-Sattel.





Die Dimensionen des Grates werden uns dann doch relativ schnell klar. Wow!!!



Die Schlüsselstelle der Tour wartet dann gleich in der 3ten Länge. Der Riss ist sehr abdrängend und läßt sich mit den paar Keilen, die wir dabei hatten, auch nicht wirklich gut absichern. Augen zu und durch...



Danach wir das Gelände wieder leichter und kann teilweise auch ohne Seil begangen werden.







Teilweise werden Türme überklettert oder auch umgangen. Die Felsqualität deckt das komplette Spektrum ab.





Den Krummen Turm (letzte Erhebung vor der eigentlichen Krottenspitze) erklettert man auf der Nordseite. Über einen III+ Riss soll es Richtung Plateau gehen. Leider erwischen wir den falschen. Nach 2 Metern ist der III, nach 4 der IV und zwischendurch auch mal der V Grad erreicht. Eine spannende Linksquerung (gell BA, hat Spaß gemacht) bringt uns dann wieder auf den Originalweg.
Oben angekommen fragen wir uns relativ schnell, wie wir jetzt wieder nach unten in die Scharte vor der Krottenspitze kommen sollen. Über sehr heikles IIer Gelände geht es mit vieeeeellllllll Luft unter dem Popo nach unten.

Jetzt liegt nur noch der Plattenpanzer (und der Gipfelaufbau) vor uns.





Den Direktausstieg (V+) lassen wir Direktausstieg sein und steigen durch ein Felsenfenster in die S-Flanke ab.





Über den SO-Rücken geht es dann Richtung Gipfel.



Beim Durchschauen des Gipfelbuches wird schnell klar, das der Grat kein Mainstream-Ziel ist (max 3 Begehungen im Jahr).





Als Abstieg wählen wir die Westflanke der Öfnerspitze (schön und gut markiert).


(Berg links und dann rechts den Grat runter)

Von dort aus hat man nochmals tolle Einblicke auf den Grat.





Nach einem kurzen Bier auf der Kemptner Hütte nehmen wir den Abstieg in Angriff und stehen dann kurz vor 21h wieder am Auto.

Facts
Krottenspitzengrat (IV-, 1100m)
Allgäuer Alpen

Die Tour wurde 1902 durch Adolf Schulz und Karl Beindl in 6h (!!!) erstbegangen (wir haben 8h gebraucht, keine Pause gemacht und hatten eine sehr gute Beschreibung).

Material: Ein 60m Halbseil, mittlere Keile, Schlingen und 2 Tricams. Ein paar Cams (0,5-2) hätten nicht geschadet.

Topo: Sehr gute verbale Beschreibung: Stefan Meineke Allgäu-Kletterführer

Piz Buin über das Wiesbadner Grätle

Piz Buin - wenn der Name fällt, denkt man doch irgendwie immer an Sonnencreme. Die haben wir letzten Donnerstag auch gut gebrauchen können.
Los ging's kurz vor 8h von der Bielerhöhe aus. In einer guten Stunde erreichen wir die Wiesbadener Hütte. Unterwegs taucht er dann zum ersten Mal auf.



Über den Vermuntgletscher queren wir dann in Richtung Scharte, die auf das Wiesbadner Grätle hinauf führt.



Über ein steiles Schneefeld mit anschließender Bruchkletterei geht es auf den Grat.





Jetzt heißt es die Abseilstelle auf den Ochsentaler Gletscher zu finden.







Viel zu schnell stehen wir vor dem geklebten Haken und nach 20m auch wieder auf dem Gletscher. Was für eine super Kletterei!!!

Jetzt ist es nicht mehr weit. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Buinlücke und deponieren dort unser Gletschergeraffel. Ich habe noch nie so viele Pickel und Steigeisen auf einem Haufen gesehen (waren auch schätzungsweise noch 50 Personen am Berg unterwegs).





Schöne leichte und feste Kletterei führen uns auf den höchsten Punkt Vorarlbergs.
Was für ein Ausblick.





Im Abstieg zeigt sich die Hochgebirgslandschaft dann von ihrer schönsten (und zum Schluss auch steilen) Seite.









An dieser Stelle großes Lob an meinen Begleiter. Für die erste Hochtour nicht schlecht.
@Alex: Well done, mach weiter so.

Gruß,
Frank

Facts
Piz Buin über das Wiesbadner Grätle (ca. 1400Hm).

Tolle und abwechslungsreiche Hoch- und Klettertour. Für den Hüttenzustieg am besten ein Rad mitnehmen.