Frendo-Ravanel - Aiguille Carrée (5 - 500m)

Mittlerweile ist es Freitag Morgen, der Donnerstag war doch noch durchwachsener als es die Wettervorhersage versprach, aber heute morgen lacht die Sonne. Wir brechen in Richtung Aig. Carrée auf. Da die zwei durchwachsenen Tage die Lawinensituation eher verschäft als entspannt hat bleiben wir bei der Tourenwahl erst mal vorsichtig. Es zeigt sich oben, dass es nicht so wild ist, da sich der Neuschnee noch nicht gebunden hat.
Das Ziel ist dennoch gesteckt, die Frendo-Ravanel soll technisch schönes Eisklettern bieten alles in allem eine wohl sehr lohnende Tour. Wir werden sehen.

Der Zustieg ist denkbar kurz für Chamonixverhältnisse. Nach einer halben Stunde stehen wir unter dem Schneehang der zur Randspalte führt.

Die Randspalte bietet dann die erste spannde Stelle des Tages. Kleinere Grabarbeiten mit dem Eispickel und ein großer Schritt verhelfen nach einiger Zeit zu einen Weg darüber. Nun schlapfen wir bis zum ersten steileren Aufschwung.

Hier beginnen auch die eingerichteten Standplätze, was bei einer so beliebten Tour angehem ist, diese sind in einem sehr guten Zustand und werden von den Seilschaften laufend erneuert.


Zwischen den Eisschlächen gibts aber auch immer wieder Schneefelder zum chillen.

In dem engen Eisschlauch bekommen wir noch einen fröhlichen Gruß von oben, zuerst klein...dann aber ein ordentliches Gerät. Ich sah oben nur noch eine weiße Wand, aber thanks war es nur ein fetter Pulverschneerutsch, dass hät ins Aug gehen können.
Die Sonne verschwindet nun aber aus der Wand und es wird deutlich ruhiger was die Spinndrifts angeht, dafür beginnt jetzt der Kletterspaß.


Ich bekomme die erste Crux. Frank wundert sich wahrscheinlich warums bei mir grad so langsam vorwärts geht, aber mei....Eisüberschuss herrscht nicht.

Super Kletterei an cm dicken Glasuren, schmalen Eisstreifen und Granitplatten. Sehr gut abzusichern und trotzdem spannend.

Danach stellt sich die Frage rechts oder links, Frank entscheidet sich für links, hier ist die Eisschicht etwas dicker, nach etwas mehr als 50m kann er nach dieser sehr genialen Eiskletterei Stand in einem Kamin machen. Sehr spassig und am End doch steiler als es zuerst den anschein hatte!




Kurze Mixedpassage bringt mich zu Frank an Stand.


So jetzt wirds noch einmal ernst, eine schwere Verschneidung leitet in leichteres Gelände, mit etwas Kreativität und Schnee wegräumen dann aber sehr gut ab zu sichern.


Frank spielt nun den Schneepflug bis hoch an die Scharte ich folge in 50m Abstand.

Nach dem super Blick rüber zur Dru noch ein Gruppenbild vor es über die perfekt auf 50m eingerichtete Absteilpiste zum Startpunkt geht.



Die Nacht auf der Montet Bergstation war dann dank interessanter Gesprächspartner und einem warmen Schlafsack sehr angenehm....nun aber heim zum duschen, eine Woche ist wohl so das Limit. Mal wieder eine tolle Zeit in unserem Mekka des Bergsteigens.

Facts:
Frendo-Ravanel - Aiguille Carrée
Eis: 5 (bei uns bis M5+) - 500m
EB: S. Frendo, M. Ravanel, 1993
Material: Eisausrüstung ink. 3 kurze Schrauben und min 50m Doppelseil
Satz Camalots #0.4-2, Satz mittlere Keile.

Rébuffat-Terry - Col Pélerins (M5 - 550m)

Chamonix - Mixed steht auf dem Programm, was eigentlich nur für die sportliche Betätigung gelten sollte wurde leider auch das Wetterprogramm für die Woche Kombiklettern mit Frank.

Am Montag schüttet es bei unserem Treffen in Hohenems noch aus Kübeln. Der Wetterbericht verspricht aber Besserung, max. ein schlechter Tag, das kann gut als Ruhetag genutzt werden. Auf der Fahrt lichten sich auch tatsächlich die ganz dicken grauen Wolken etwas. Als wir dann abends im warmen Caddy hocken und Nudeln futtern wird es immer besser, so dass es Nachts sogar sternenklar ist. Dem frühen Aufbruch stände also nichts im Weg.

Wir treffen um 8Uhr an der Midi Talstation ein, bepackt für eine Nacht im Freien und motiviert für eine geniale Mixerei...die Rébuffat-Terry haben wir uns ausgesucht. Ideal als Eingehtour.

Leider sind wir nicht die einzigen die das gute Wetter raus lockt, so stehen wir inmitten von 200 Freeridern die den Powder im weißen Tal testen wollen. Ich komme mir mit meinen gelben 130cm langen "Ski" recht deppad vor, hät ich doch daheim noch an anderen gelben Ski mit 130...aber mm und ned lang sondern breit. Aber als Schneeschuhersatz geht der Zahnstocher scho.
Da wir beide ned gut Französich verstehen (zumindest ned des aus m Lautsprecher ;) ), bekommen wir nicht mit das Platzkarten vergeben werden...so wird es halb Zehn bis wir endlich hoch fahren. Der kurze Hoppser zum Einstieg entpuppt sich dann aber als recht stramme 1,5h Wanderung.



Langsam kommen wir unserm Ziel aber näher und bewerten die Situation. Lawinenmässig ist es zu vertreten, wenn wir in dem bereits abgegangenen Kegel bleiben, aber dass es kritisch ist sehen wir schon daran dass der Kegel durch eine frische Selbstauslösung an der Randspalte entstanden ist. Als die Ski sicher deponiert und die Lage kurz gecheckt ist, entscheiden wir uns für ein schnelles Durchrennen unter dem Serec des "du Plan Gletschers".


Die erste Seillänge recht viel Spaß mit noch akzeptabel viel Eis, wenngleich die Felssicherungen mehr mein vertrauen Gewinnen als 13cm Plastelinschneeschrauben.

Frank in einer langen Konditionslänge, der Powder ist gewaltig...schad das er momentan eher lästig ist. ..... "Sonnenbeschienener Südhang, fette Latten, staubender Powder, weite Turns" ..... ein Rucken am Seil reißt mich aus dem Tagtraum und ermahnt zum Standabbauen. Frank braucht noch ein paar 10 Meter, also mal wieder running Belay.


Um sicher zu gehen, dass ich nicht nochmal Tagträume, werde ich gleich mal in eine heikle Seillänge geschickt. Mit Eisklettern hat das nun nix mehr zu tun, die Eisen kratzen über Granitplatten, die Geräte werden in den verschneiten Rissen verkeilt. So genau will man gar nicht sehen an was die Haue grad hält, Hauptsache sie hebt.



Dann entschließt sich der Berg mir die letzte Lust am Powder zu nehmen und gibt mir ne Überdosis weißen Rausch....yipieayea Schweinebacke.

Die Länge macht trotzden Spaß zu klettern, a bissel mehr Eis würd halt mehr Geschwindigkeit bedeuten.

Frank will auch noch a bissel im Fels kratzen und darf deshalb mal vorne ans Seil, denn nur vorne wird richtig gut gekratzt, langsam fühlt es sich an wie wenn das Eis vollkommen dem Schnee gewichen ist. Mit dem Eis nimmt auch der Speed der Seilschaft erheblich ab.


Ich klettere noch eine Seillänge bis zu der Stelle wo die "Beyond Good and Evil" in die Rebuffat kommt und sichere Frank nach. Die Länge war nun echt schwer, ich bin mir aber auch nicht sicher ob ich den richtigen Kamin geklettert bin. Zwar fixes Material drin, heißt aber nix.

Nun haben wir noch 2 Seillängen, die wir aber nicht mehr klettern. Das Wetter verschlechtert sich zusehens und es schneit bereits leicht.

Unten angekommen ist die Wolkendecke geschlossen, wir sind spät dran und freuen uns auf unsere Schlafsäcke und ein warmes Essen. Durch die Spinndrifts ist alles recht klamm und uns elendig kalt.



Die Nacht bringt 25cm Neuschnee bei mähsigem Westwind und so fahren wir wieder nach Chamonix. Abends gibts noch a bissel Sonne, damit man das Zeug trocknen kann. Aber es bleibt nun erstmal bis Donnerstag abend unbeständig. A Taucher der nix taucht, taucht so viel wie a Bergsteiger im Tal...das OHM verspricht besser Wetter zum Freitag, "Silberstreifen....".


Facts:
Rébuffat-Terray - Col Pélerins
M5 und 85° - 550m (bei uns anhaltend M5-M6)
EB: G. Rébuffat und L. Terray 1944

Material:
-Eisausrüstung mit 4 kurzen Schrauben (bei uns eher nicht einsetzbar)
-50m Doppelseil
-Camalot: C3 #1 bis C4 #2
-Keile: mittlere Größen

Stände eingerichtet und i.O.

Kandersteg - Breitwangflue Crack Baby (WI6, 340m)

"Großer Klassiker und wohl die beste Eisroute der Schweiz schlechthin", so preist Urs Odermatt die 1993 vom legendären Xavier Bongard (und Michael Gruber) erstbegangene Tour in seinem Eiskletterführer an. Einmal am Ausstieg dieser großartigen Linie zu stehen, ein Traum, der für Stef und mich letzten Sonntag in Erfüllung gegangen ist.

Doch der Reihe nach. Bevor wir den eisigen Circus Maximus betreten durften, stand uns ein gut 2 stündiger Fußmarsch bevor. Schon von weitem waren die imposanten Fälle im rechten Teil der Flue (zu denen auch Crack Baby gehört) zu sehen. Am Einstieg war dann schnell klar, wir sind nicht allein. Eine italienische Seilschaft war bereits in der dritten Länge, 2 Kletterer aus dem Elsass stiegen kurz vor uns ein.

In den ersten 2 Längen (die man auch gut am langen Seil gehen kann) war das Eis sehr trocken und dünn (aber durch die vielen Hooks gut zu klettern).





Nach gut einem Drittel der Tour stellt sich das Gelände dann merklich auf (und wird erst am Ausstieg wieder flacher). Stef hatte dann die erste steile (aber noch kurze) Länge im Vorstieg.





Die dann folgende Passage war sicherlich die schwerste. Durch einen kleinen Eistunnel ging es über eine flache Rampe auf die große Säule, die zwischen 2 Felsbänder gewachsen ist. 40 Meter fantastische und senkrechte Eiskletterei.





Am Stand angekommen war schnell klar, das war noch nicht alles.
Meine nächste Länge führte über mehrere kleine (und auch größere) Eisbalkone nach oben.







Der Abschluss ("Stef, geht scho, des isch blos no a dreier") war dann doch nochmal lang und steil.

Am Ausstieg dann Sonne und happy Ulmer Jungs.





Das Baby in der Nachmittagssonne



und der linke Teil der Flue.



Ein tolle Eisklettersaison neigt sich somit dem Ende zu.
Dank und Grüße gehen an Axel, Chris und Stef.

Frank

Facts
Crack Baby (WI6, 340m)
Trotz der deutlichen Begehungsspuren langer und schwieriger Wasserfall.

Lechtal - Ein Hauch von Nichts (WI5-, 50m) und Schlachthaus (WI5, 45m)

Ausschlafen? Sonntags! Denkste!
Frank und ich starten wieder mal durch. Das Eis steht so gut im Lechtal das wir uns keine Pause gönnen möchten.
Wieder gehen wir an eine Linie die nicht im Führer beschrieben ist. Mal schauen was wir vorfinden werden.
Die erste leichte Stufe ( 20m WI2) klettern wir schnell und machen vor der steilen Säule an einem Baum Stand.
Nun startet Frank in die steile 2te Seillänge.

Die ersten Meter sind noch nicht zu steil, dann geht es jedoch los. Frank zieht Meter für Meter in dem röhrigen Eis nach oben.

Die letzten Meter hat er saftiges Eis. Genuss pur. Lang, steil und im Schnitt gutes Eis. Was will man mehr? Ich steige nach und oben am Stand gibt es keine Begehungsspuren. Wir hinterlassen eine Schlinge am Baum.

Damit rufen wir die erste Begehung "Ein Hauch von nichts WI5-/50m" aus.
Voller Freude seilen wir ab. Ich entdecke noch eine zweite logische Linie am rechten Eisfallrand.

Los geht es. Leichtes Eis zieht zur ersten Schlüsselstelle. Einem leicht überhängenden sehr klein Fußenden Zapfen. Es gibt einen Vorgeschmack auf das Eisdach welches nun folgt. Mit recht dicken Armen aber happy komme ich oben am Baum an.

Frank quert noch zu der Abseilschlinge von "Ein Hauch von nichts" und wir Seilen wieder ab.
Überblick von der Langlaufloipe aus über beide Linien.
Links über die Säule geht Franks Tour und meine Tour verläuft über die schwach ausgeprägte Eisspur rechts. Diese Taufe ich auf den Namen"Schlachthaus WI5/45m"


Facts:
Parken in Hinterhornbach.
Zustieg über Langlaufloipe bis man links den Fall sieht(ca. 30-45min). Unschwierig durchs Gelände je nach Schneelage in 20-45min zum Einstieg.
1SL- WI2/20m
2SL- WI5-/50m "Ein Hauch von nichts"
oder WI5 /45m " Schlachthaus"

Wir wünschen allen Wiederholern viel Spaß und lasst es uns wissen.

PS: Falls jemand eine dieser Linien schon vor uns begangen hat bitte melden. Wir gehen aber von einer Erstbegehung aus.

Lechtal - Säule am linken Rand des Amphitheaters (WI5+, 70m)

Was brauchen die Ulmer Jungs an ihren freien Tagen? Klar Bewegung. Wo holt man sich diese im Winter? Natürlich im Lechtal (können den Blog bald in Lechtaler Jungs umbenennen). Ziel war uns eigentlich im Auto schon klar - s'Babe (eine Säule am linken Rand des Amphitheaters/linkes Hornbachtal).


(Bild von letztem Donnerstag)

Schon bei unserem ersten Besuch vor 2 Wochen war uns dieses Teil aufgefallen und im Gedächtnis geblieben.
Nach einem kurzen Zustieg standen wir dann gespannt vor der ersten Stufe.



Die Eisstruktur glich der benachbarten Yummy Yummy-Säule. Wie dort, ließ sich auch hier ein "relativ leichter" Weg durch das Eisgewirr finden.





Plötzlich stand sie dann vor uns...



Nach mehrmaligem links und rechts, oben und unten schauen, war klar. WIR WOLLEN DA HOCH.

Ich habe meinen Stand dann links oben neben der Säule eingerichtet (man konnt von rechts kommend einfach hinter ihr queren).



Dann war der Meister an der Reihe.









Im Nachstieg (und wahr. auch im Vorstieg) waren die ersten Meter der eigentlichen Säule sehr schwer. Danach konnte man in einer schönen Verschneidung nach oben spreizen.



Spannend gestaltete sich dann der Austieg durch das kleine Eisdach. Wow, wie geil kann Eisklettern sein!!!


(kuschliger Standplatz)

Am Austieg dann neben Freude auch ein (ganz) kleiner Wehmutstropfen. An einem alten Baum baumelte eine neue rote Reepschnur. War wohl jemand schneller...



Schnell noch ein Gipfelfoto



und ab geht's nach unten.







Wir werden mal schauen, ob wir etwas über die Erstbegeher in Erfahrung bringen können.

Viele Grüße,

Axel und Frank

Facts
1.Sl: 25m/WI 4+ (Nachsichern über Klemmblock im Bachbett/Schlinge rechts an Baum)
2.Sl: 15/WI 2
3.Sl: 30m/WI 5+ (Schlinge rechts oben an Baum/vorhandene Schlinge hat uns nicht getaugt)